Governance & Audit

AI-Act-Beauftragter: Aufgaben, Qualifikation und Verankerung im Unternehmen

25. Mai 2026 7 Min. LesezeitVon Hakan Ersu, TÜV-zertifizierter EU AI Act-Beauftragter

Kurz beantwortet

Der EU AI Act schreibt keinen KI-Beauftragten vor, verlangt aber klare Verantwortlichkeiten. Ein AI-Act-Beauftragter führt das KI-Inventar, verantwortet Risikoklassifizierung und Dokumentation, steuert Schulungen nach Artikel 4, prüft neue Tools im Freigabeprozess, koordiniert mit Datenschutz, IT-Sicherheit und Recht und berichtet an die Geschäftsleitung. Zertifizierte Qualifikationen – etwa TÜV-geprüft – schaffen Nachweisfähigkeit.

Compliance ohne Zuständigkeit bleibt Absichtserklärung. Die wichtigste Einzelmaßnahme im AI-Act-Programm ist deshalb banal: eine Person mit Mandat.

Kernaufgaben der Rolle

  • KI-Inventar führen und aktuell halten
  • Risikoklassifizierungen bewerten, begründen, freigeben
  • KI-Richtlinie pflegen und Freigabeprozess betreiben
  • Schulungsprogramm nach Artikel 4 planen und dokumentieren
  • Lieferanten- und Vertragsprüfung bei KI-Komponenten
  • Vorfallmanagement und Meldewege
  • Regelmäßiges Reporting an Geschäftsleitung und Gremien

Interne oder externe Besetzung?

Kleinere Unternehmen fahren mit einer internen Rolle plus externer Begleitung meist am wirtschaftlichsten: Interne kennen Prozesse und Kultur, Externe bringen Verordnungstiefe, Vorlagen und Marktvergleich. In größeren Organisationen entsteht daraus ein kleines Governance-Gremium.

Qualifikation, die zählt

Sinnvoll ist ein Profil aus drei Bausteinen: Verständnis der Verordnung und angrenzender Regelwerke, praktische Erfahrung mit KI-Systemen und Managementsystem-Kompetenz. Eine anerkannte Zertifizierung – etwa eine TÜV-geprüfte Qualifikation als EU-AI-Act-Beauftragter – macht diese Kompetenz gegenüber Kunden, Prüfern und Versicherern belegbar.

Verankerung, die funktioniert

  • Schriftliche Bestellung mit Aufgaben und Befugnissen
  • Zeitbudget statt Nebenbei-Auftrag
  • Direkter Berichtsweg zur Geschäftsleitung
  • Pflichtbeteiligung im Beschaffungsprozess
  • Jährliches Review mit Kennzahlen

Häufige Fragen zu diesem Thema

Ist ein KI-Beauftragter gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Der AI Act fordert Ergebnisse und Nachweise, keine bestimmte Rolle – in der Praxis ist eine benannte Verantwortung aber der effizienteste Weg dorthin.

Kann der Datenschutzbeauftragte die Rolle übernehmen?

Häufig ja, sofern Kapazität und KI-Kompetenz vorhanden sind und keine Interessenkonflikte entstehen.

Was kostet die Rolle?

In KMU liegt der Aufwand nach der Aufbauphase typischerweise bei 0,1 bis 0,3 Vollzeitäquivalenten – deutlich unter den Kosten eines einzigen Compliance-Vorfalls.

Hinweis – keine Rechtsberatung: Alle Inhalte dieser Website sowie die angebotenen Beratungs-, Schulungs- und Audit-Leistungen dienen der Information, Organisationsentwicklung und Compliance-Vorbereitung. Sie stellen keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) dar und ersetzen nicht die Prüfung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt. Für rechtsverbindliche Auskünfte zum EU AI Act ziehen Sie bitte qualifizierten rechtlichen Beistand hinzu. Eine Haftung für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben ist ausgeschlossen.

Nächster Schritt

Unklar, was für Ihr Unternehmen gilt?

30 Minuten Erstgespräch – kostenfrei, unverbindlich, inklusive Einschätzung zur Förderfähigkeit von bis zu 80 %.