Praxis

AI-Act-Checkliste für den Mittelstand: 12 Punkte in 90 Tagen

30. März 2026 7 Min. LesezeitVon Hakan Ersu, TÜV-zertifizierter EU AI Act-Beauftragter

Kurz beantwortet

Mittelständische Unternehmen werden in 90 Tagen AI-Act-fähig, wenn sie in drei Phasen arbeiten: Tage 1–30 Transparenz (Inventar, Rollen, Schatten-KI), Tage 31–60 Regeln (Klassifizierung, KI-Richtlinie, Freigabeprozess, Lieferantenabfrage), Tage 61–90 Kompetenz und Nachweis (rollenbasierte Schulungen, Dokumentation, internes Review, Bericht an die Leitung).

Der Mittelstand braucht keine Konzernstruktur, sondern eine Reihenfolge. Diese Checkliste ist bewusst so gebaut, dass sie neben dem Tagesgeschäft funktioniert.

Tage 1–30: Transparenz schaffen

  • 1. KI-Inventar über alle Fachbereiche erheben
  • 2. Rolle je System bestimmen: Anbieter oder Betreiber
  • 3. Schatten-KI sanktionsfrei melden lassen
  • 4. Verantwortliche Person mit Mandat benennen

Tage 31–60: Regeln setzen

  • 5. Risikoklassifizierung je Anwendungsfall dokumentieren
  • 6. Verbotene Praktiken aktiv ausschließen
  • 7. KI-Richtlinie verabschieden und ausrollen
  • 8. Freigabeprozess für neue Tools etablieren
  • 9. Lieferanten zu Konformität und Dokumentation befragen

Tage 61–90: Kompetenz und Nachweis

  • 10. Rollenbasierte Schulungen nach Artikel 4 durchführen
  • 11. Nachweisordner anlegen (Inventar, Klassifizierung, Richtlinie, Schulungen, Lieferanten)
  • 12. Internes Review und Bericht an die Geschäftsleitung

Der Fehler, der am meisten Zeit kostet

Viele Unternehmen beginnen mit der Frage nach dem perfekten Tool oder der Zertifizierung. Beides ist später relevant. Zuerst zählt Transparenz – sie ist mit Bordmitteln erreichbar und macht jede weitere Entscheidung günstiger.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Wie viel interner Aufwand ist realistisch?

Für ein Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden sind über 90 Tage typischerweise 8 bis 15 Personentage intern plus externe Begleitung anzusetzen.

Brauchen wir dafür externe Beratung?

Nicht zwingend. Externe Begleitung beschleunigt vor allem Klassifizierung und Nachweisstruktur – und ist häufig förderfähig.

Was, wenn wir Hochrisiko-Systeme betreiben?

Dann kommt oberhalb dieser Checkliste ein eigenes Programm mit Grundrechte-Folgenabschätzung, Logging und Lieferantenmanagement hinzu.

Hinweis – keine Rechtsberatung: Alle Inhalte dieser Website sowie die angebotenen Beratungs-, Schulungs- und Audit-Leistungen dienen der Information, Organisationsentwicklung und Compliance-Vorbereitung. Sie stellen keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) dar und ersetzen nicht die Prüfung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt. Für rechtsverbindliche Auskünfte zum EU AI Act ziehen Sie bitte qualifizierten rechtlichen Beistand hinzu. Eine Haftung für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben ist ausgeschlossen.

Nächster Schritt

Unklar, was für Ihr Unternehmen gilt?

30 Minuten Erstgespräch – kostenfrei, unverbindlich, inklusive Einschätzung zur Förderfähigkeit von bis zu 80 %.