Branchen

EU AI Act im produzierenden Gewerbe: Maschinen, Qualität und Predictive Maintenance

04. Mai 2026 7 Min. LesezeitVon Hakan Ersu, TÜV-zertifizierter EU AI Act-Beauftragter

Kurz beantwortet

Im produzierenden Gewerbe wird KI vor allem dann zur Hochrisiko-Anwendung, wenn sie als Sicherheitsbauteil in Produkten nach Anhang I – etwa unter der Maschinenverordnung – eingesetzt wird. Diese Pflichten greifen ab dem 2. August 2027. Anwendungen wie Predictive Maintenance, optische Qualitätsprüfung oder Produktionsplanung sind dagegen meist minimales Risiko, unterliegen aber Artikel 4 und internen Governance-Anforderungen.

Industrieunternehmen nutzen KI oft länger als alle anderen – nur nannten sie es Bildverarbeitung, Regelung oder Analytics. Genau deshalb lohnt der Blick ins Detail.

Wo Hochrisiko entsteht

Entscheidend ist, ob die KI eine Sicherheitsfunktion in einem Produkt übernimmt, das bereits einer EU-Harmonisierungsvorschrift unterliegt – Maschinen, Aufzüge, Druckgeräte, Medizinprodukte. Dann läuft die KI-Konformität im bestehenden Produktzulassungsverfahren mit.

Typische Anwendungen und ihre Einordnung

  • Optische Qualitätsprüfung: meist minimales Risiko, hohe Anforderungen an Datenqualität
  • Predictive Maintenance: minimales Risiko, aber sicherheitsrelevante Ausfälle bedenken
  • Robotersteuerung mit Sicherheitsfunktion: potenziell Hochrisiko nach Anhang I
  • Produktionsplanung und Energieoptimierung: minimales Risiko
  • Kollaborative Robotik mit Personenerkennung: sicherheitskritisch, sorgfältig prüfen

Lieferkette im Blick behalten

Maschinenbauer, die KI-Komponenten zukaufen und in eigene Produkte integrieren, geben diese in der Regel unter eigenem Namen weiter – und werden damit Anbieter im Sinne des AI Act. Verträge sollten deshalb Dokumentation, Modellversionierung und Informationspflichten bei Updates ausdrücklich regeln.

Was jetzt zu tun ist

  • KI-Anteile in bestehenden Produkten identifizieren
  • Schnittstelle zur Maschinen- und Produktsicherheit definieren
  • Technische Dokumentation um KI-Kapitel erweitern
  • Lieferantenerklärungen einholen
  • Instandhaltung, Qualität und Entwicklung nach Artikel 4 schulen

Häufige Fragen zu diesem Thema

Gilt für uns 2026 oder 2027?

Für KI als Sicherheitsbauteil in regulierten Produkten gilt der 2. August 2027, für eigenständige Anhang-III-Anwendungen der 2. August 2026.

Zählt klassische Bildverarbeitung als KI?

Regelbasierte Verfahren in der Regel nicht, lernende Modelle schon. Die Grenze sollte pro System dokumentiert werden.

Was ändert sich für die CE-Kennzeichnung?

Bei Hochrisiko-KI in regulierten Produkten wird die KI-Konformität Teil des bestehenden CE-Verfahrens statt eines separaten Prozesses.

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