Praxis

ChatGPT und Copilot im Unternehmen rechtssicher einsetzen

09. März 2026 8 Min. LesezeitVon Hakan Ersu, TÜV-zertifizierter EU AI Act-Beauftragter

Kurz beantwortet

Der Einsatz von ChatGPT, Microsoft Copilot oder Gemini im Unternehmen ist zulässig, erfordert aber vier Bausteine: eine Datenklassen-Regel (welche Daten dürfen hinein), einen Enterprise-/Business-Tarif ohne Training mit Ihren Daten, eine dokumentierte Prüfpflicht für Ergebnisse und KI-Kompetenzschulungen nach Artikel 4 EU AI Act.

Generative KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen – meistens schneller als die Regeln dafür. Diese Lücke ist das eigentliche Risiko.

Baustein 1: Datenklassen definieren

Nicht jedes Dokument darf in ein KI-Tool. Bewährt hat sich eine dreistufige Matrix: öffentlich (frei nutzbar), intern (nur in freigegebenen Enterprise-Umgebungen), vertraulich/personenbezogen (nur nach ausdrücklicher Freigabe oder gar nicht).

Baustein 2: Die richtige Vertrags- und Tarifebene

Kostenlose Consumer-Accounts sind für Unternehmensdaten regelmäßig ungeeignet. Business- und Enterprise-Tarife bieten in der Regel Auftragsverarbeitungsvertrag, EU-Datenverarbeitung und den Ausschluss von Modelltraining mit Ihren Eingaben. Diese Punkte gehören schriftlich geprüft, nicht angenommen.

Baustein 3: Geschäftsgeheimnisse und Urheberrecht

Wer Betriebsgeheimnisse in ein ungeprüftes Tool eingibt, riskiert den Schutzstatus nach dem Geschäftsgeheimnisgesetz, weil angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen fehlen. Bei Ausgaben gilt: KI-generierte Inhalte genießen keinen eigenen Urheberrechtsschutz, können aber fremde Rechte berühren – Prüfung bleibt Pflicht.

Baustein 4: Transparenz und Kennzeichnung

Chatbots müssen offenlegen, dass Nutzer mit einer KI sprechen. Synthetische Bilder, Audio- und Videoinhalte sind zu kennzeichnen. Intern empfiehlt sich eine Regel, wann KI-Unterstützung im Kundenkontakt genannt wird – das ist Vertrauensarbeit, nicht nur Compliance.

Der 5-Punkte-Start für die IT

  • Freigegebene Tools bereitstellen und Consumer-Accounts sperren
  • Datenklassen-Matrix veröffentlichen
  • Prompt- und Ergebnisrichtlinie in zwei Seiten
  • Schulung für Vielnutzergruppen
  • Feedbackkanal für Fehlausgaben und Vorfälle

Häufige Fragen zu diesem Thema

Ist ChatGPT DSGVO-konform nutzbar?

Mit Business-/Enterprise-Vertrag, AV-Vertrag und klaren Datenregeln lässt sich der Einsatz datenschutzkonform gestalten. Ohne diese Grundlagen ist die Eingabe personenbezogener Daten kritisch.

Müssen wir KI-generierte Texte kennzeichnen?

Gegenüber Kunden ist Transparenz bei Chatbots und synthetischen Medien vorgeschrieben. Für unterstützt erstellte interne Texte besteht keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht.

Wer haftet für falsche KI-Ausgaben?

Das Unternehmen, das sie verwendet. Deshalb ist die dokumentierte menschliche Prüfpflicht der zentrale Kontrollpunkt.

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